Pressestimmen

Artikel zu Telemanns „Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho” und Hillers "Lisuart und Dariolette oder die Frage und die Antwort"

01. März 2015

 

aus http://www.welt.de/print/wams/hamburg/article137938698/Grotesk-und-dramatisch.html

von Helmut Peters

 

"Das 'Barockwerk' realisiert zwei Opern-Aufführungen mit Hamburg-Bezug an ungewöhnlicher Spielstätte

 

Der historische Lichthof im Altbau der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky ist natürlich kein Theatersaal. Die Höhe des Raumes und die von Rundbögen gesäumten Galerien auf mehreren Ebenen lassen Klänge sekundenlang verhallen. Weder ein Schnürboden noch ein Orchestergraben sind vorhanden, allenfalls ein Podest, auf dem zur Premiere zweier spätbarocker Opern am 11. März sowohl ein kleines Orchester als auch sieben Sänger Platz finden müssen. Die Bibliothek aber hat eine enge Beziehung zu den Singspielen 'Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho' von Georg Philipp Telemann und 'Lisuart und Dariolette oder die Frage und die Antwort' von Johann Adam Hiller. Eine Partiturausgabe der Hiller-Oper und Erstausgaben des Hamburger Schriftstellers Daniel Schiebeler, der zu beiden Stücken die Libretti beisteuerte, befinden sich im Besitz der Bibliothek. 'Ich habe die Stimmen modern umgeschrieben', sagt Ira Hochman, die Leiterin des Hamburger Ensembles 'barockwerk', das diese Aufführungen realisiert.

 

Der Hamburger Telemann war vor knapp 300 Jahren Musikdirektor am traditionsreichen 'Johanneum'. Darüber hinaus war er ein gewiefter Theatermann. Er beherrschte Pointen, dramatische Steigerungen und die Kunst der Ironie. Sein Singspiel 'Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho' entstand, als der Komponist schon achtzig Jahre alt war. 'Was die Modernität angeht, spürt man überhaupt keine Schwäche oder ein Nachlassen seiner Schöpferkraft', sagt der Regisseur Alexander Radulescu.

Schiebeler und Telemann haben sich für ihr Singspiel eine grotesk-komische Episode aus Cervantes' Weltliteraturerfolg ausgewählt. Erzählt wird von einer Bauernhochzeit, zu der der berühmte Ritter von der traurigen Gestalt und sein treuer Stallmeister Sancho Pansa eingeladen sind. Leider hat der Brautvater der unglücklichen Quiteria seiner Tochter den ungeliebten Schäfer Grisostomo zugedacht, nicht aber ihren wahren, mittellosen Geliebten Basilio. Basilio erscheint auf der Hochzeit mit einem (Spielzeug-) Dolch in der Brust, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Er wird entlarvt. Don Quichotte schreitet edelmütig ein und kann den Vater umstimmen. 'Dieses Stück ist wirklich von Meisterhand geschrieben', schwärmt Hochman. 'In einer Esel-Arie bringt Telemann die Karikatur messerscharf auf den Punkt. Jeder erkennt in der Musik sofort, was gemeint ist.'

 

Regisseur Radulescu baut keine aufwendigen Bühnenbilder, sondern positioniert die Musiker und Sänger gemeinsam auf der Bühne. 'Es wird ins Orchester hineininszeniert', beschreibt Ira Hochman die Idee ihres Regisseurs, der sich auch mit Jugendtheater einen Namen gemacht hat. 'Die Musiker werden mal zu Mitspielern der handelnden Personen, mal stehen sie symbolisch für den Wald. In den Dialogen werden sie sogar das Gehölze genannt, was mit Blick auf die Streichinstrumente natürlich ein Gag ist.'

 

Weil es im 'Don Quichotte' immer wieder um das Thema von Täuschung, im Falle der Hauptperson auch um Selbsttäuschung geht, arbeitet Radulescu mit Masken. 'Telemann hat sogar versucht, spanisches Kolorit mit hineinzubringen', sagt er. 'Das ist für die Zeit nicht selbstverständlich, zumal er selbst nie in Spanien war. Es geht ihm darum, die Stimmung der Landschaft und der Menschen, die dort leben, mit einzufangen. Den Schalk im Nacken spürt man bei Telemann immer. Es ist eine sehr intelligente humorvolle Musik.'

 

Die Entstehungsjahre von Telemanns und Hillers Stücken liegen nur wenige Jahre auseinander. Überraschend ist die Ähnlichkeit der Handlung zwischen Johann Adam Hillers "Lisuart und Dariolette" und Mozarts "Zauberflöte". Auch bei Hiller verliebt sich ein Prinz in das Bildnis einer Prinzessin und wird von einer Königin beauftragt, die verlorene Tochter wiederzufinden. Märchenhafte Wesen behindern ihn, und hinter einer hässlichen Alten muss er mit dem Herzen erst einmal die verwandelte Geliebte erkennen lernen. 'Hillers Stil ist an der Grenze zur Empfindsamkeit', beschreibt Ira Hochman den musikalischen Charakter. 'Von der Harmonik und vom Aufbau her tendiert seine Musik eher zur Klassik. Es gibt viele Formveränderungen, zum Beispiel bei den modifizierten Da-capo-Arien, aber auch die bewusste Vermeidung von Da-capo-Strukturen und Ensemblepartien. Die Dimensionen vergrößern sich bei Hiller. Oft schreibt der Komponist Verzierungen selber aus.'

 

Librettist Schiebeler ist nur dreißig Jahre alt geworden. Er starb 1771, vier Jahre nach Telemann und mehr als dreißig Jahre vor Hiller. Als Kaufmannssohn hatte er die Gelehrtenschule des Johanneums besucht und war hier Telemann persönlich begegnet. Es ist trotzdem erstaunlich, dass ein so populärer Komponist wie Telemann, der ja Schiebelers Großvater hätte sein können, das Libretto eines so jungen Autors vertont hat. 'Telemann hatte eine ungeheure Begabung für Instrumentalmusik', sagt Hochman. 'Seine Musik ist gut spielbar. Vieles ist gar nicht so schwer, klingt aber schwer. Das hat Telemann ganz bewusst so gemacht. Für Sänger allerdings ist seine Musik nicht immer bequem.'"

Publikumsstimmen zu „Der verlorene und wiedergefundene Amor”

25. März 2013

 

 „Es war voller Leben, heiter und groß …. Es ging mir sehr nahe. Anrührend das Zusammenspiel der Mitwirkenden, die so sehr in ihrer gemeinsamen Sache aufgingen. Ich hatte meine Freude an der schnörkellosen Schönheit dieser Musik, so pathoslos, aber wie vital – unprätentiös und doch voller Zauberkunststücke.“ 
Dr. J. Rathje

 

„….Sie haben mir am vergangenen Montag und Dienstag mit den [...] Konzerten zwei unvergeßliche Abende geschenkt. Gerne würde ich mich mit einem Buch bei Ihnen bedanken, das ich im vergangenen Jahr über Johann Mattheson geschrieben habe…“ 

Prof. H. Böning

Kritik aus dem Winsener Anzeiger über „Die Vergnügte Nacht“ von J. Mattheson

23. Juli 2014

 

Das Konzert wurde in Egestorf im Rahmen der Konzertreihe „Musik in alten Heidekirchen“ aufgeführt

 

"Die vergnügte Nacht, uraufgeführt am 26. Oktober 1719, wiederaufgeführt am 21. Juli 2014, wurde zu einer heißen Sommernacht voller Romantik, Poesie und spritzigem Charme [...] Die Wieder-Uraufführung begeisterte das Publikum. Ein wahrhaft lustvoller Hörgenuss. [...] „Bravo“, „grandios“- „das ist doch mal ein Highlight“ – das Publikum überschlug sich in seinen Lobpreisungen."

Kritik zu "La Prima Diva: Arie per Faustina Bordoni"

Februar 2013

 

aus:  http://www.gbopera.it/2013/02/faustina-bordonila-prima-diva 
Scritto da Andrea Zepponi, Categoria Concerti

 

“Il Teatro della Fortuna di Fano (PU), nella serata del 23 febbraio scorso ha avuto il pregio di proporre uno spettacolo-concerto che ha unito musica, storia del teatro d’opera e spunti letterari nella rappresentazione di un personaggio settecentesco mitico come Faustina Bordoni (1697 – 1781)... il titolo dello spettacolo, compreso nel nutrito programma del Fortuna Opera Festival, enunciava con l’eloquente espressione, “La Prima Diva”, un vero e proprio “racconto musicale” della vita della cantante italiana che contese gli allori all’altro mito del belcanto settecentesco, Farinelli, ed entrambi fecero il loro passaggio nelle Marche per esibirsi: l’evirato proprio a Fano, come ci testimonia una sua lettera del 1731 e l’altra a Pesaro nel 1735, accompagnata dal celebre marito, il compositore Johann Adolf Hasse. Il concerto non a caso ha quindi reso omaggio alla Bordoni, prima vera diva del canto in un’epoca che osannava e metteva al primo posto i castrati. Prima cantante donna di fama internazionale, ospite delle corti di Vienna, Monaco, Parigi, Londra, nel Settecento, la cantante veneziana, grazie al suo virtuosismo e alla sua particolare arte, divenne la prima cantante donna nella storia della lirica ad essere appellata “Diva”.

 

Ad impersonare la cantante del passato una cantante del presente, il mezzosoprano Agata Bienkowska, che ha messo in campo eccellenti doti di competenza belcantistica e di canto barocco oltre ad un’ottima capacità rappresentativa.

 

Una grande esibizione di stile vocale che ha riempito la sala del Teatro di Fano con una Bienkowska tecnicamente sicura, ben ferma nella impostazione, dal timbro rotondo, convincente come mezzosoprano e con espansioni vocali verso l’acuto in equilibrio con i registri medio gravi: la cantante sembra molto più a suo agio nel barocco esibendo flessibilità nelle variazioni dei vari da capo dove la voce deve dimostrarsi più strumento senza farsi puntare il dito sempre e dovunque sulla indiscriminata intelligibilità della dizione cantata. Ottimo e ben allineato nelle sonorità e nello stile l’ensemble del Barockwerk Hamburg che comprendeva, oltre alla compagine degli archi, anche i fiati tra cui il fagotto, il flauto traverso, il flauto dolce, la tromba e il trombino; ai brani vocali si alternavano alcune meravigliose “sinfonie avanti l’opera” Gli applausi sono stati notevoli e reiterati per un evento musicale e rappresentativo pregevole e di forte serietà esecutiva e filologica."

 

Übersetzung:
"Eine große Darbietung des damaligen Gesangstiles füllte das Faneser Theater.  Durch technische Sicherheit, rundes Timbre und großen Stimmumfang rührte die Mezzosopranistin A. Bienkowska [...] Mit ausgezeichnetem Stilgefühl und ausbalanciertem Klang spielte das Ensemble barockwerk hamburg, besetzt nicht nur mit Streichern, sondern auch mit zwei Fagotten, Traversflöten und Trompeten,  alternierte es Arien mit einigen fabelhaften Opernsinfonien."

Kritik zum Album "La Prima Diva: Arie per Faustina Bordoni"

Early Music Review

 

La Prima Diva: Arie per Faustina Bordoni

Agata Bienkowska mS,

barockwerk hamburg, Ira Hochman 52’

Tactus TC 670003

 

„Some real rarities here...Domenico Sarro would appear to be most unjustifiably neglected - his sinfonia from „Didone Abbandonata“ makes an arresting and lively start to the disc, and the two arias from Partenope are finely wrought – the second, „Begl’occhi“ is a particularly lovely lullaby with recorders cooing seductively over the strings and surprising harmonic depth. The other, „Per abbattere il mio core“ has a striking trumpet obligato, agilely played here. Hasse is better represented on the disc, but the two arias are new to me. „Non sdegnarti“ is a treasure - suave triple-time bel canto with luscious flute and bassoon colouring. „Si, quei ferri“, by contrast, is a dramatic aria parlante, with short pithy phrases fort he voice alternating with busy strings figuration. The most extended piece is Handel’s „Alla sua gabbia d’oro“ from „Alessandro“ with an elaborate solo violin obbligato. The slightest ist he short sinfonia from Bononcini’s Griselda....

 

barockwerk hamburg respond to Ira Hochman’s lively tempi with verve and precision - their various sinfonias are highlights, with fine brass and woodwind contributions. Agata Bienkowska is an accomplished singer, but her voice sounds rather too large for the music, though she negotiates her divisions with gusto. Overall an interesting disc - devotes of early 18th-century opera need not hesitate."

 

Alastair Harper

Kritik von "Die Welt" zur "Brockes-Passion"

30. März 2012

 

Diesen Artikel finden Sie online unter http://www.welt.de/106136583

Von Lutz Lesle.

 

"Brockes-Passion als Pasticcio

 

Das Barockwerk Hamburg feiert die bewegende Wiedergeburt des 300 Jahre alten Librettos in der Staatsbibliothek.

 

Wäre nicht eine Cembalo spielende Dirigentin aus Israel über New York, Basel, Bern und Zürich nach Hamburg gekommen, um die Stadt Merkurs an ihre kulturelle Vergangenheit zu erinnern - sie hätte den 300. Geburtstag der Brockes-Passion glatt verschlafen. Brockes-Passion? Zur Erinnerung: Barthold Hinrich Brockes, 1680 in Hamburg geboren und 1747 daselbst gestorben, war dichtender Ratsherr und Senator, zudem Amtmann in Ritzebüttel (Cuxhaven). Der literarischen Nachwelt gilt er als wortgewaltiger Schöpfer religiös-philosophischer Naturdichtung ("Irdisches Vergnügen in Gott"). 1712 schuf er das Passions-Libretto "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus", das der Hamburger Opernkomponist Reinhard Keiser sogleich vertonte. Brockes ließ es im eigenen Hause aufführen - ein Ereignis, das nicht nur "die ganze fremde Noblesse, alle Ministros und Residenten nebst ihren Damen" anzog, sondern auch "den größten Teil der vornehmsten Hamburger".

 

Was sich von der Wiedererweckung des Passions-Verschnitts, den ein Anonymus um 1725 aus den "Brockes-Passionen" von Keiser, Telemann, Händel und dem schriftstellernden Hamburger Musiker Johann Mattheson gewann, nicht eben sagen lässt. Einzig Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi ehrte die Großtat des Ensembles Barockwerk Hamburg mit seiner Präsenz im hallenden Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek. Ira Hochman, der Leiterin des Ensembles, ist die Entdeckung, Einrichtung und bewegende Wiedergeburt dieses "Pasticcios" aus vier (von etlichen) zeitgenössischen Vertonungen zu danken. Sie fand die Vorlage "unberührt" in der Berliner Staatsbibliothek. Wohl wissend, dass man damals nicht nur vollständige Passionsmusiken eines Komponisten aufführte, sondern gern auch "Pasteten" aus den beliebtesten Stücken mehrerer Werke anrichtete, ging sie daran, die Berliner Fundsache den Hamburger Aufführungsmöglichkeiten anzupassen. Mehrere Stiftungen und die Kulturbehörde förderten das Vorhaben.

 

Wider Erwarten erwies sich der alte Katalogsaal der Staatsbibliothek als idealer Ort, die Gefangennahme, das Verhör und die Leiden Christi szenisch anzudeuten. Die Weite des Saals und die umlaufenden Galerien nutzend, wechselten die Darsteller ihre Stand- und Spielorte, was Bewegung ins Spiel brachte und Raumillusionen weckte. Die Kirchenakustik trug den samtig leisen Wohlklang der alten Streich-, Zupf- und Blasinstrumente, sodass die Balance zwischen ihnen und den Gesängen von nah und fernher gewahrt blieb. Wer zählt die Meister, nennt die Namen, die alle hier zusammenkamen? Jürgen Sacher (Tenor) als ergriffener Evangelist, Jörn Dopfer (Bass) als unbeugsamer Jesus, Mark Tucker (Tenor) als zerknirschter Petrus, Alon Harari (Altus) als sich selbst richtender Judas, die gemütsbewegte Tochter Zion Tanya Aspelmeier (Sopran), die gläubig beseelte Altistin Agata Bienkowska - sie und all die anderen gläubigen Seelen, Töchter Zion, Mägde, Kriegsknechte, Pilatus und das chorische Solistenquartett ergaben ein Gesangsteam, das sich den auf Mitleiden erpichten, stellenweise "blutverklebten" und "eiternassen" Text emphatisch zu eigen machte. Trotz Keisers Chören, Händels Arien und Matthesons Rezitativen: Telemanns Ausdrucksmacht bleibt unerreicht."


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Kritik aus dem Hamburger Abendblatt zu "La Prima Diva"  

19. Februar 2012

 

Verena Fischer-Zernin

 

"Sopranistin Faustina Bordoni: Goldkehlchens Eitelkeiten

 

Das Barockwerk Hamburg porträtiert die Sängerin Faustina Bordoni und hat sich in der Laeiszhalle auf die Spuren der Sopranistin begeben.

 

HAMBURG. Primadonnen gibt es nicht erst seit Maria Callas und Anna Netrebko. Das Ensemble Barockwerk Hamburg hat sich jetzt unter der Leitung der Cembalistin Ira Hochman im Kleinen Saal der Laeiszhalle auf die Spuren der Sopranistin Faustina Bordoni begeben, die im 18. Jahrhundert in ganz Europa gefeiert wurde, mit einem entsprechenden Ego ausgestattet und mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen, aus Bergedorf stammenden Komponisten Johann Adolf Hasse verheiratet war.

Brigitte Janner las zeitgenössische Texte und ließ die kapriziöse „Prima Diva“ auf amüsant-bärbeißige Weise lebendig werden. Darum herum gruppierten die Musiker Instrumentalstücke und Arien von Hasse, Händel, Scarlatti und zahlreichen weiteren Italienern, die der Sängerin die aberwitzigsten Koloraturen in die Goldkehle schrieben. Die Mezzosopranistin Agata Bienkowska schulterte diese Herausforderungen mit sportlich-robuster Virtuosität, aufmerksam und stilsicher begleitet von zwei Traversflöten, zwei Trompeten und einer kleinen Streichertruppe. Ein bisschen lang geriet das Ganze – aber so lebendigen, unterhaltsamen Geschichtsunterricht wünschte man sich öfters."

Kritik aus dem Hamburger Abendblatt zu "Telemannische Musicalien"

26. Juni 2011

 

"Bravorufe und Zugaben in der Egestorfer Kirche

 

In der Reihe "Musik in alten Heidekirchen" trat am Sonntag in der voll besetzten St. Stephanuskirche in Egestorf erstmals das Ensemble "Barockwerk Hamburg" unter der Leitung der israelischen Dirigentin und Cembalistin Ira Hochman auf.

"Telemannische Musicalien" hatten sie ihr Programm, mit Vokal- und Instrumentalmusik von G. Ph. Telemann genannt. Welcher Komponist hätte auch besser zum Namen der Gruppe gepasst? Hatte er doch mehr als die Hälfte seiner Lebenszeit in Hamburg verbracht, wo er als Komponist und Musikdirektor das gesamte Konzertleben der Hansestadt organisierte.

Gleich zu Beginn konnte sich die junge Geigerin Maja Hunziker mit einer Violinsonate Solo F-Dur für Violine und Basso continuo auszeichnen, ehe es zu einem ersten Höhepunkt des Konzertes kam. Die polnische, in Italien lebende Mezzosopranistin Agata Bienkowska verzauberte mit ihrer wohlklingenden, vollvolumigen Stimme mit einer Kantate aus Telemanns "Harmonischer Gottesdienst" am dritten Pfingstfeiertag und zwei Arien aus demselben Werk die Barockfreunde und riss sie zu ersten Bravorufen hin. Voller Wärme und homogenem Timbre verbreitete sie puren Wohlklang und dokumentierte zugleich ihre bereits vorhandene Bühnenerfahrung.

Dann präsentierte Felix Stockmar in der einzigen Cellosonate von Telemann Meisterschaft an seinem Instrument. Mit der abschließenden burlesken Triosonate bescherten die Musiker durch ihr hohes interpretatorische Niveau und geschmeidige Homogenität dem Publikum reines Vergnügen, das die Künstler nicht ohne zwei humorvolle Zugaben gehen ließ.

"Barockwerk Hamburg" hat es sich zum Ziel gesetzt, Kammer- und Bühnenmusik aus dem Barockzeitalter wieder zu entdecken und zu neuem Leben zu erwecken. Dabei schöpft es insbesondere aus der reichen hamburgischen Tradition des 17. und 18. Jahrhunderts. Das Ensemble hat sich seit seinem Debüt im Jahre 2007 bereits seinen Platz im norddeutschen Raum verschafft. Seine Leiterin Ira Hochman wird ab sofort als Mentorin die "Musik in alten Heidekirchen" betreuen. (kuj)"

Kritik aus dem Pinneberger Tageblatt zu "Ein irdisches Vergnügen"

07. April 2010

 

"Akustik begeistert die Musiker

 

PINNEBERG. "Ein irdisches Vergnügen" verhieß die Ankündigung. Das war für viele Pinneberger ein Grund, in die Kirche zu gehen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Mit einem fulminanten Benefizkonzert für den Orgelneubau entfachte das "Barockwerk Hamburg" in der Christuskirche Begeisterungstürme.

Bach, Händel und Vivaldi standen auf dem Programm. Vor allem die Sopranistin Nicole Hoff eroberte die Herzen der Pinneberger mit ihrer zugleich kraftvollen wie einfühlsamen Darbietung von sechs Beispielen aus Händels "Neun deutschen Arien für Sopran, Violine und Basso continuo". Im auffälligen Gegensatz zu seinen prunkvollen und jubelheischenden Opern und Oratorien geradezu zärtliche, genügsame und unprätentiöse Vertonungen deutscher Lyrik, wie sie im Schaffen dieses großen Komponisten nur ganz selten anzutreffen sind.

Als Zugabe gab es ein weiteres wenig bekanntes Juwel aus der Barockzeit, ein Werk von Marco Uccellini, der im 17. Jahrhundert vor allem das Violinspiel zu bis dahin ungekannter technischer Perfektion vorantrieb.

Nicht nur das Publikum genoss dieses irdische Vergnügen, die Musiker aus Hamburg waren vom Pinneberger Publikum wie auch von der großartigen Akustik der Christuskirche so begeistert, dass sie versprachen, wiederzukommen. (olz)"

Kritik aus dem Hamburger Abendblatt zu "Welcome to all the pleasures"

29. Februar 2008

 

"Welcome to all the pleasures" hat das Barockwerk Hamburg sein Debütprogramm genannt - und der Abend hielt, was sein Titel versprach. Denn das 2007 gegründete Ensemble bescherte dem auffallend bunt gemischten Publikum im kleinen Saal der Laeiszhalle reines Vergnügen.

Schon die Stückauswahl zeugte von musikhistorischem Spürsinn und einem feinen dramaturgischen Riecher: Leiterin Ira Hochman und ihre jungen Musiker hatten überwiegend unbekannte Kompositionen von Henry Purcell ausgegraben und ganz unterschiedliche Vokal- und Instrumentalwerke - von der melancholischen Chaconne bis zum deftigen Trinklied - zu einem bunten, aber stimmig verknüpften Ganzen gefügt. Von liebevoller Sorgfalt zeugte auch das hohe interpretatorische Niveau: Trotz ständig wechselnder Besetzungen erzielten Sänger, Streicher und Blockflötistinnen mit der Continuo-Gruppe eine geschmeidige Homogenität. Dabei gelang es ihnen, den Glanz und die Sinnlichkeit von Purcells Musik auszukosten und gleichzeitig in das kunstvoll verzahnte Binnenleben der Stücke mit ihren unerwarteten chromatischen Farbwechseln hineinzuleuchten.

Auch wenn es bei einer neu gegründeten Formation noch ein wenig Luft nach oben gibt: ein äußerst eigenständiger, mehr als vielversprechender Auftritt des jungen Ensembles. Wenn es gelingt, dieses professionelle und profilierte Niveau auszubauen, könnte das Barockwerk Hamburg eine bisher unbesetzte Nische füllen. (Stä)"

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